Die Vorzeichen waren exzellent: Die Möglichkeit Bundesligageschichte zu schreiben, wunderschönes Wetter und das wahrscheinlich Elementare: Man durfte in die Weltstadt Mannheim und musste nicht aufs Dorf nach Hoffenheim. Somit übrigens auch historisch, da es das vorletzte Bundesliga-Spiel in Mannheim für längere Zeit gewesen sein wird.
So traf man sich denn um neun (!) Uhr in Pasing – es könnte ja sein, dass zu diesem Top-Spiel das komplette Stadion gepackt sein würde. Naja Kaffe in die Klaue und ab in die Karre. Nach der klassischen Fachsimpelei („Die A8 ist eine einzige Baustelle, da stehen wir mindestens eine halbe Stunde“), ergab sich bereits die erste Wette des Tages („Wenn wir nicht stehen, dann holen wir drei Punkte“). Erste Tanke, kein Stau, erstes Bier. Alles perfekt! Die getippten Ergebnisse reichen von einem klaren Sieg unserer Seite über „mit einem Punkt wäre ich zufrieden“ bis hin zum eigentlich bereits feststehenden 8:8. Weiter auf der A8, kein Stau; dafür topographische Bewunderung für die vielfältige deutsche Landschaft („Europäische Wasserscheide Rhein-Donau”, wir danken Torte für seine gelieferte Erklärung), ebensolche Bewunderung in Bezug auf architektonische Meisterleistungen („Franzosenschlucht- Viadukt“) und botanische Besonderheiten („Das sind PLATANEN!“). Letzteres bewunderte man zum Glück bereits in Mannheim, so dass es nur noch einige Meter zum Parkplatz waren.
Am Stadion noch absolut tote Hose, was die Abfahrtszeit rechtfertigte und man konnte sich bereits mit Geläuf und Umfeld vertraut machen. Hunger plagte sowohl Faxe, Jinda als auch Pity. Die Empfehlung des Stadionmäuschens im geschlossenen Kassenhaus lautete Richtung des am Stadion ansässigen Chinesen. ABGELEHNT! Anstelle dessen ab zum Grill, der direkt daneben aufgebaut wurde. Die Diskussion mit Freunden und Helfern in Grün über Vor- und Nachteile von roter Bratwurst mündete doch in dem „Genuss“ einer Thüringer Rostbratwurst. Dem einen trieb der Hunger es rein, dem anderen der „Genuss“ fast wieder raus.
Ab hinters Stadion zum Gästeblock, eine versprengte Bielefelder Schar kauft die Tickets, genauso wie wir. Schnell die Fahne aufgehängt, wobei die polizeilich vorgegebene Höhe beachtet werden musste, so dass man die Fahne nicht sehen konnte, weil es ja auch noch eine Bande gab…. Die Erlösung für de Bratwurst geplagten Mägen offenbarte sich in Form eines wirklich guten Döners, nebenbei noch entgastes Eichbaum, rundeten das Portfolio des Dargereichten ab.
Vor dem Spiel wurde man im Carl-Benz-Stadion mit einem äußerst fragwürdigen Musikmix willkommen geheißen. Dem Altersschnitt der Anwesenden entsprechend, setzte sich dieser zu einem großen Teil aus den aktuellen Bravo-Hits zusammen. Als dann „Auswärtsspiel“ von den Hosen gespielt wurde, wurde dies folgerichtig von Jinda als „Perlen vor die Säue“ abgekanzelt. Den Gipfel dieser skurrilen Vorstellung bildete das Absingen des Badener-Liedes mit allen fünf Strophen, was selbstverständlich im Stehen erfolgte. Ein besonderes Bonbon ergab sich für Jinda, der sich wahnsinnig über einen ferngesteuerten Werbezeppelin freuen konnte.
Anpfiff! Das Spiel muss an dieser Stelle nicht weiter kommentiert werden, denke ich. Einzig war festzustellen, dass Arminia sich nicht entsprechend auf die zu erwartende Anfangsoffensive eingestellt hat. Alleine in der ersten Viertelstunde versuchte Herr Halfar mehrmals der Adventszeit zu entsprechen und schlug im eigenen Strafraum einige Kerzen, die bei dem ein oder anderen Mitgereisten für kurze Herzstillstände sorgten. Ein Dank muss auf der anderen Seite ganz klar Herrn Eilhoff angedeihen, der einen größeren Rückstand verhinderte. Die Dorfjungs nahmen etwas Druck aus der Partie, was wahrscheinlich schon als Spielvorbereitung für das Spiel in München zu werten ist. Arminia kam ein wenig besser in die Partie, aber zählbares ergab sich daraus leider nicht. Halbzeit!
Direkt nach Wiederanpfiff ein Aufreger. Viele hatten schon Ungemach geahnt, als Herr Weiner als Unparteiischer angekündigt wurde. Da man Erwartungen ja erfüllen soll, verweigerte er erst folgerichtig Arminia einen Handelfmeter und sprach Hoppenheim einen Foulelfmeter später zu. Na danke! Viel passierte dann auch in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Man muss sagen, dass während des gesamten Spiels die Stimmung im Block sehr gut war. Dieser Eindruck wurde leider nur durch einige Sprechchöre höchst fragwürdigen Niveaus (Dietmar Hopp, Du Sohne einer Hxxx!), so wie Krawallanwandlungen inkl. amateurhafter Vermummungsversuche getrübt. Schlusspfiff!
Kein Sieg, kein Punkt, kein 8:8! Irgendwie war die Planung der Südland-Arminen den Beteiligten im Vorfeld nicht mitgeteilt worden.
Auch wenn Fußball und Politik nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen streng getrennt bleiben sollten, wurden die Südland-Arminen ihrem Auftrag dennoch gerecht. Bereits das Spiel stand unter der Beeinflussung des Bundesministeriums für Gesundheit, das dem Hoffenheimer Kinderchor Papierbögen zum Falten zur Verfügung stellte, mit denen in der Folge nervtötend geklatscht wurde. Eben diese Kinder wurden beim Verlassen des Stadions noch ein Mal angetroffen und unterstrichen mit ihrem miserablen badischen Akzent die Ergebnisse der Pisa-Studie. Auch das zweite große Problem der Deutschen Jugend, das Frau Dr. Merkel zuletzt aufdeckte, wurde durch die Fettleibigkeit eines zweiten Jungstechers unterstrichen, der sich meinte in die Unterhaltung einmischen zu müssen. Darauf hingewiesen, dass sie die oben genannten dargestellten Probleme der Deutschen Jugend darstellen würde, identifizierten sie einen Teil der Südland-Arminen sogleich mehr oder weniger folgerichtig als „Lehramtsstudenten“.
Abgesehen davon war es eine geile Tour, das Wetter schön und der Döner gut. Bleibt vor allen Dingen Eines zurück: Schön, dass man nie wieder nach Mannheim muss! Ob sich das alles aber in der neuen Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim ändern wird ist fraglich.