Verdammt. Was soll ich nur tun?! Immer diese schrecklichen Entscheidungen, die ein Leben so mit sich bringt. Man stelle sich folgende Situation vor:
Freitag Abend, Sommerfest in der Agentur. Besser gesagt in der Badeanstalt an der Leopoldstrasse. Ein laues Lüftchen kühlt die erhitzten Gemüter. Dazu das köstliche Nass, das die Kehlen erfrischt. Es riecht nach Rum. Nach Sommer. Nach Barbecue. Und ehrlich gesagt nach Sex. Nicht so richtig. Also nicht so wie Du das nun denkst. Vielmehr nach Erotik. Kribbeln. Ich arbeite in einer der größten Kommunikationsagenturen in München. Und ich bin einer der wenigen Männer in diesem Unternehmen. Lasst mich die Quote tippen. Ca. 73 : 27. Für die Damen. Mädchen eher.
Ein wirklich rundes Gesamtbild. So kann man es auf den Punkt bringen. Gegen 22.00 Uhr will ich gehen. Doch ich bleibe. Das Bild ist einfach zu rund. Gegen 23.00 Uhr muss ich echt los. Doch ich bleibe. Scheiße, ist dieses Bild rund. Und ganz ehrlich, was würde ich am nächsten Tag verpassen? Fußball. Männer. Warmes Bier. Wahrscheinlich mal wieder eine wunderbare Auswärtsniederlage. Ach komm, bleib noch. Lass das Bild noch ein wenig runder werden.
Mitternacht – und das Gewissen kommt. Nun ab nach Hause. Lass Sommerkleider Sommerkleider sein. Irgendwann macht Cuba Libre auch Sodbrennen. Und Gespräche mit anderen Menschen werden auch völlig überschätzt. Rein in den Bus. Die Reise durch München beginnt. Und endet nach gefühlten 35 mal Umsteigen um kurz nach 2 Uhr nachts in Haching. Schnell ins Bett. Leise sein, die Lütte soll nicht wach werden. Super, schon geschehen.
Irgendwann fallen mir die Augen zu. Ich gestehe mir ein, das wird morgen Früh anstrengend.
Piiiiiep – der Wecker. Nach einen traumlosen Nacht quäle ich mich gegen 7.00 aus dem Bett. Na super – da ist er, der Kater. Ich hab Dich nicht eingeladen. Und trotzdem bist Du da. Beim Mischen meiner flüssigen Marschverpflegung kommt es mir fast hoch. Bacardi kann nicht immer gut riechen. Duschen. Ich gebe zu, beim Anziehen im Schlafzimmer fällt mein Blick auf das Bett. Groß und noch warm. So einladend. Stefan, lass Dich einfach hinein sinken. Die können auch ohne Dich feiern. Aber nicht so gut, sagt das Männchen auf der anderen Schulter. Und schon fällt die Tür ins Schloss.
SBahn – das Telefon klingelt. Pity. ‚Es geht heute nicht. Ich kann nicht. Ich kann wirklich nicht…’ quäkt es mir entgegen. Oh verdammt, der hat durchgemacht. Das kann ja heiter werden. Und sein Anblick am Münchner Hauptbahnhof bestätigt meine Vermutung. Das wird heute ein langer Tag für meinen treuen Wegbegleiter… Ein sehr langer.
Langsam trudeln unsere Mannen ein. Leberkäs und Bier am Start, ausreichend Ziggis in der Tasche und noch immer den Geschmack des gestrigen Abends im Mund suchen wir unser Gleis. Warum um alles in der Welt stehen genau an diesem ca. 238646 Menschen. Die passen nicht in diesen Zug. Die wollen nicht in diesen Zug. Doch, sie wollen genau das. Doch wir sind schneller. Suchen uns die besten Plätze. Großraumwagen. Nette Begleitung aus der ehemaligen UdSSR. Neue Südländer. Und das Wetter wird mit jedem Meter besser. Eigentlich auch komisch, wäre ich Sonne, ich würde über München scheinen. Und Heureka, sogar mein Schnappes beginnt zu schmecken. Wer hätte das heute Morgen gedacht. Ich jedenfalls nicht.
to be continued….