written by Mücke:
Verdammt war die Nacht wieder kurz – nur dreieinhalb Stunden Schlaf und die Zeit hängt einem schon wieder im Nacken, denn um acht fährt der Arminenshuttle am „Haupteingang“ am Münchner Hauptbahnhof ab. Noch kurz ins Bad, den Sixpack eingepackt, der gestern extra geschont wurde (gemeint ist eigentlich die Wegration für`s Spiel, beim zweiten Durchlesen gefällt mir aber auch die Doppeldeutigkeit), Trikot und Schal angezogen und los ging’s zur S-Bahn.
Am Bahnhof noch schnell einen Kaffee und ein notdürftiges Frühstück gezogen und dann zum Treffpunkt. „Sammelpunkt 2 natürlich ihr Trottel“ schwirrt es durch meinen Kopf, und „Um acht gehen die Türen zu und wir fahren ab… also dann nicht noch bummeln, Oma anrufen…“ – eigentlich keine schlechte Idee, habe ich schon lange nicht mehr gemacht – aber dann sehe ich die Uhrzeit, verwerfe den Gedanken und beschleunige meinen Schritt, bis ich den schwarzen Shuttle sehe. Die Seitentür hebt sich vor und gleitet motorisiert zur Seite. Wie im Flugzeug, fehlt nur noch die hübsche Stewardess – stattdessen eine Begrüßung von Stefan. Drinnen wartet noch Donots, und kurz nach mir trifft Henning ein.
Um Punkt acht gehen tatsächlich langsam wieder die Seitentüren zu. Nanu, sollten wir nicht sieben sein? Respekt – Dennis ist knallhart und fährt einfach los… Ich bin positiv von der Luxuriösität unseres Shuttles beeindruckt und daher auch nicht überrascht, als Dennis zur obligatorischen Ansprache ansetzt. Eigentlich bekloppt sowas, schließlich bin ich alt genug und verstehe es auch mittlerweile fremde Autos nicht zuzumüllen oder zu verdrecken. „Also kurz zu den Spielregeln: … Lautes Grölen und ostwestfälisches Liedgut ist ausdrücklich erwünscht!“ Schweigen… Wie, Ende der Ansage? Na, gut, diese Regeln werde ich nach bestem Wissen und Gewissen befolgen. Es folgt Arminenliedgut in einer Lautstärke, die selbst die letzten Kellerasseln hinter der Scheuerleiste samt Kinderlein verscheucht. Ich bin wach. In der Zwischenzeit dürfen wir uns in Stefans Buch der coolen Leute eintragen („Das ist doch nicht vollständig!“ - „Ich kann sowas nicht – ich brauche vor-de-fi-nier-te Felder!“(Henning)) und Dennis macht sich eine Freude draus uns unter Lachen beim Schreiben mit Spurwechseln zu beglücken.
In Eching fahren wir nochmal von der Bahn und mir dämmert es langsam, dass es anscheinend geplant war mit nur fünf Leuten loszufahren (drei Stunden Schlaf sind echt zu kurz…). Volker samt Freundin steigen zu und wir fahren weiter. Belustigt schauen wir drei von den billigen Plätzen zu, wie die beiden ebenfalls versuchen ihre Adresse unter weiteren Spurwechseln nur auf einer Seite von Stefans Notizbuch zu hinterlassen. Langsam wird mir bewusst – wir sind endlich wieder unterwegs zu unseren Blauen. Pflichtbewusst ziehe ich eine Flasche Bier aus meinem Beutel. Eigentlich ekelig so früh – Schuld sind diese Fan-feindlichen Anstosszeiten – ich bin aber beruhigt als die anderen ohne ein weiteres Wort meinem Beispiel folgen. Unterwegs überholen wir ein paar Busse mit Nürnbergern, die sich ihre Niederlage in Mainz abholen (man beachte die Bedeutung der bildhaften Sprache).
Unterwegs treffen wir uns mit Torte und fahren zusammen weiter. Ich kriege Schimpfe, dass das Bier nicht genügend gekühlt war, dann sind wir auch schon in Bankfurt angekommen. Als wir das Stadion betreten werde ich unweigerlich an Arminias Spiele in der Saison 1993/1994 in der Regionalliga West/Südwest erinnert. Ja, hier ist der Name Volksbankstadion Programm: Mein neues Leben XXS – ein Leben in der Bankenkrise. Fassungsvermögen ca. 8000, viertausend Zuschauer werden erwartet, davon 500 Arminen. „Ist hier auch mal ausverkauft?“ „Klar, wenn die Frauen spielen!“.
Das Spiel plätschert so dahin, nichts Aufregendes auf beiden Seiten. Passend dazu regnet es und auf den Stufen ist es schlammig. Wir Südländer machen unseren eigenen Fanblock auf, zur Freude der Umstehenden, und Hinterfragen mehrmals, wer denn den Spieß im Grill Athen dreht. Spätestens nach einem „Hinsetzen! Hinsetzen!“ unsererseits haben alle gemerkt, dass man dem eher müden Kick (Frankfurt hat es gut verstanden die Räume dicht zumachen) nur mit Humor begegnen kann, und gehen direkt zu einem ordentlichen Humba über. Torte und Stefan brachten es recht trocken auf den Punkt. Torte: „Kaspar, du darfst das Spielgerät durchaus auch gerne mitnehmen!“. Stefan: „Also die Bulette schmeckte gut.“ 0:0 Endstand und mehr als drei Stunden Rückfahrt. Nach einer Stunde wird mir das Spiel richtig bewusst und ich verfalle in einen Schockzustand. Dennis hält kurz an, und nach fünf Minuten frischer Luft (sagen das die Raucher auch?)geht es weiter.
Die Rückfahrt verläuft ruhig, mit Ausnahme der Diskussion, ob ein echter Armine sein Kind nicht Lohmann zu nennen hat. Wir setzen Volker und Freundin in Eching ab, bevor es zu unserem Startpunkt von heute morgen geht. Ein ergebnisloser Tag (Ha! Wortspiel!) geht zu Ende. Mein Fazit: Heute gab’s ein Stück Heimat – schlechtes Wetter, eine „normale Currywurst“, nicht so’n roter Ömmel, keinen Hurra-Fußball, sondern eher ein Mittelfeldgekicke, und endlich normale Leute.
Hier bin ich Armine – hier darf ich’s sein.