Manchmal beginnen Tage durchaus früh. Wenn der Wecker klingelt, weil man in die Arbeit fahren darf. Oder die Kirchenglocken früher läuten als gewohnt. Oder man(n) äußerst dringend austreten muss. Oder oder oder.
Oder weil das 4 1/2 Monate alte Schätzelein wie gewohnt morgens um kurz nach vier Durst hat. Okay, ich bin ehrlich. Im Normalfall erledigt meine Herzensdame das mehr als gewissenhaft. Und ich schlafe einfach weiter. Nicht aber so an diesem Samstag Morgen. Denn es war etwas anders. Ich wurde wach und sofort hämmerte es in meinem Schädel: es geht zum Fußball. Endlich mal wieder. Die Jungs, das Südland Shuttle, Tabellenvorletzter, sichere drei Punkte.
Also stand ich auf. Morgens um kurz vor halb fünf. Stillte meiner Kleinen ihren unsagbaren Durst. Ich meine, sind wir mal ehrlich: Durst ist fürchterlich. Und jeder von uns kennt dieses Gefühl. Also tat ich es gerne. Die Minuten ticken, während sie fast so gierig wie ihr Papa das Pülleken leert. Und beim letzten Schluck seelig einschläft. Richtig macht sie es. Wer steht schon um kurz vor fünf auf? An einem Samstag? Niemand. Fast. Denn ich tat es.
Schnell ins Wohnzimmer. Autopsie - dem Mörder auf der Spur. Genau das richtige, um wach zu werden. 20 Jahre Mauerfall, die letzten Tage der Ostzone. Yep, nun bin ich wach. Duschen. Getränke mischen. Kamera einpacken. Sternenklarer Himmel. Und die Regenjacke passt kaum in die Tasche. ‘Pack die ein!’ höre ich meine Frau sagen. Mei, wenn es denn sein muss - brauchen werde ich sie wohl eh nicht.
Kurz nach sieben, ab zur SBahn. Treffen um acht am HBF MUC. Bei der zwei. Wo auch sonst. In der Bahn die ersten mitleidigen (oder waren es doch neidischen?!) Blicke, als aus meiner ALDI Wasser 1,5 Liter Pulle der Bacardi Cola nur widerwillig in meinen Rachen läuft. Fürchterlich, warum mache ich das nur? Ankunft am HBF um kurz vor acht. Super, endlich mal kein Personenschaden, wenn ich mit diesen öffentlichen Verkehrsmitteln fahre. Noch ist Zeit für den käuflichen Erwerb einer Dose Bier (übrigens Dennis, die hab ich im Bulli vergessen. Prost!), zwei Packen Ziggis und einer reschen Leberkäs Semmel. Schnell vor zum augemachten Treffpunkt. Um Punkt acht schließen die Türen. Und was soll ich sagen? Es war genau so. Um acht Uhr - PUNKT acht Uhr - drückte Dennis ein Taste und die Türen (ja, es waren zwei!) schlossen automatisch. Einfach so - diese Technik geht an mir vorüber. Wenn ich da an mein erstes Auto denke… Hmmm.
So starteten wir pünktlich gen Norden. 400 km one way. Für 90 Minuten Fußball. Eigentlich ganz schön bescheuert. Kurz hinter Geiselwind schnell Torte in den Windschatten nehmen und weiter geht die rasante Fahrt. Unheimlich, wie schnell so ein Gefährt mit einem CW Wert wie ein Einfamilienhaus sein kann. Pünktlich in Frankfurt war meine Pulle leer. Pünktlich in Frankfurt fing es an zu regnen. Pünktlich in Frankfurt war meine Begeisterung verflogen.
Wir müssen aufsteigen - ging es durch meinen Kopf. wir MÜSSEN aufsteigen! Dieses Grauen, das sich da Zweitligafußball nennt, macht mir einfach keinen Spaß. Ein Stadion, kleiner als der Sportpark in Haching. Ein Regen, schlimmer als zur Regenzeit in sonstwo. Eine Stimmung, mitreissender als eine Runde Grand Prix d`Eurovision. Oooouooouoooouoooo. Minutenlang. Stundenlang.
Nach dem Spiel kurz geschüttelt. Ab zum Bulli. Ab nach Hause. Im HBF am Punkt Zwei Tschö sagen. Noch schnell zu BK. Realisieren, dass der ganze Bahnhof mit Scheißern voll ist. Und ich bin ganz alleine. Egal, trotzdem noch´n großes Maul haben. Dann schnell in die SBahn.
Zu Hause Danke sagen und erkennen, dass Frauen manchmal doch mitdenken. Was habe ich diese Regenjacke geliebt. Auf mein Danke gleich einen Rüffel bekommen. Jetzt mal ehrlich: nach einer halben Pulle Bacardi und einer Dose Jacki Cola darf man(n) doch nach Schnapps stinken. Oder nicht?
Am Sonntag aufwachen und sich schwören: da fahre ich nie wieder hin. Obwohl, die Buletten waren wirklich saulecker. Naja, so weit war es doch nicht. Und regnen wird es ja auch nicht immer… Ach, warten wir doch einfach ab.
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