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Wir schreiben das Jahr 2012. Arminia hatte sich gerade erst nach 16 Jahren aus der Bundesliga verabschiedet und musste den bitteren Gang in die 3. Liga gehen. Ja, man hatte sogar noch den letzten Stolz schlucken müssen, und einen 3-Punkte-Abzug gegen 1,2 Millionen € eintauschen müssen, um die Saison finanziell beenden zu können. Mein persönlicher Tiefpunkt als Arminenfan.

Es ist zudem knapp fünf Jahre her, dass sich bei einem Arminia-Trainingslager einige wenige Arminia-Fans aus Süddeutschland kennengelernt haben und beschlossen haben,  sich die Spiele der Blauen doch öfters mal gemeinsam zu besuchen. Und nach der Freischaltung eines Forums zum gemeinsamen Gedankenaustausch wuchs nach und nach eine kleine aber feine Gruppe von Leuten, die eben dieser eine kleine Tick der Liebe zu unserer Arminia verbindet. Erfreulicher Weise wächst diese Gruppe bis heute stetig weiter, und es haben sich bereits gute Freundschaften entwickeln können. Leider bringt es das Exil-Fan-Dasein in Süddeutschland es aber mit sich, dass jedes Spiel der Blauen ein „Auswärtsspiel“ ist. In der Vergangenheit wurde das durch gemeinsame Zugfahrten, sowie mittels über die Arbeit organisierte oder gemietete Vans gelöst.

Ja, und dann gibt es solche Momente – die einen nennen es Schnapsidee, die anderen Langeweile – und man schaut nur mal aus Neugier auf diversen Internetplattformen, was denn so ein eigener Van kosten würde. Einer dieser Momente war Anfang Juni 2012, und das primäre Objekt der Begierde war ein Subaru-Kleinbulli mit dem verheißungsvollen Modellnamen  „Libero“ – der Traum eines jeden Kleingewerbetreibenden mit sechs Sitzplätzen, 1,2l Hubraum, 54PS und Panoramaglasdach. Was will man mehr, wir sahen uns bereits mit 60 Km/h die Kasseler Berge bezwingen. Als Arminen weiß man: Die inneren Werte zählen.

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Subaru Libero. Der Name ist Programm. Die inneren Werte zählen.

Eigentlich nur aus Spaß wurde zu dem Kleinbulli einmal das Gegenstück in den Ring geworfen – und schon bald sollte der Kleinwagen vergessen sein, denn das Ziel war jetzt klarer geworden: Der Wagen sollte mehr Platz haben, der Wagen sollte mehr Leistung haben, der Wagen sollte das Reisen erleichtern und der Wagen sollte auch was her machen – nur mit inneren Werten steigen wir schließlich auch nicht auf. Der Wagen sollte ein GMC Vandura sein.

Nach endlosen Diskussionen über die Finanzierung, Unterhaltskosten,  Vor- und Nachteile einer Vereinsgründung (die Südländer verstehen sich eher als anarchistisch-syndikalistische Landkommune- eine genauere Definition findet sich bei den Ritter der Kokosnuss), usw. war das Projekt fast schon wieder vom Tisch, bis die magischen Worte fielen: „Ja, Mann, mach es doch einfach!“. Als dann der Wagen wirklich da stand, waren wir dann doch alle überrascht, um so mehr als sich alle Zweifel als unbegründet erwiesen hatten. Wir hatten endlich unseren Van gefunden: Ein GMC Vandura „Shorty“, Baujahr 1992 (das Südland steht auf die Neunziger), 5,7l Hubraum, 199 PS, 7 Sitzplätze, Sportsitze, DVBT und DVD, Atari und C64 Konsole, blaue Innenbeleuchtung, und genügend Platz für Beine und  Erfrischungsgetränke. Allen Miesmachern sei außerdem versichert: Der Wagen ist in Steuern und der Versicherung bezahlbar und der Benzinverbrauch liegt pro Person gleich oder niedriger als würde man mit der gleichen Anzahl Personen im PKW fahren. Alle hatten zu ihrem Wort gestanden und das Projekt im Anschluss unterstützt. Nur die Farben in rot und weiß störten noch, was aber schnell durch einen Besuch beim Folierer behoben werden sollte. Bereits im Vorfeld hatte man sich Monate im Voraus auch das passende Nummernschild gesichert M-AB 1905.

In der Zwischenzeit machten erste Gerüchte über das Südland-Shuttle die Runde, so dass einer der unseren sogar mit alkoholischen Freigetränken abgefüllt wurde, um an weitere Informationen zu gelangen. Auf der Südland-Facebookseite gab es zudem bei jedem Sieg der Blauen ein weiteres kleines Bild vom Van, nur hatte man mit der Häufigkeit der Siege nicht gerechnet, so dass schon bald erfreulicher Weise drohte, dass das Bildmaterial ausgeht. Am Wochenende vor dem DFB-Pokalspiel war es dann soweit, wir konnten den Wagen endlich abholen – und waren schlicht sprachlos. Der Wagen hatte unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Erste Bilder in den sozialen Netzwerken schlugen ein wie eine Bombe.

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Dienstagabend ging es dann nach der Arbeit los, und es war ein gutes Gefühl allen auf unserer Fahrt zu zeigen, dass Arminia noch lange nicht von der deutschen Fussballbühne verschwunden war. Auf der A33 wurden wir dann das erste Mal überholt und mit Warnblinklicht gegrüßt – endlich wieder in der Heimat. Auch am Spieltag haben wir es uns nach einem Termin mit einer regionalen Tageszeitung nicht nehmen lassen, Flagge zu zeigen, dass unsere Arminia wieder da ist. Zwischenzeitlich gab es einen Post auf der Arminia-Facebookseite und mittels der Einträge der User konnte man förmlich nachverfolgen, wo gerade der Wagen zu finden war. Wir möchten uns bei allen an dieser Stelle auch noch einmal für die vielen freundlichen Worte bedanken.

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Auch wenn wir das Pokalspiel in der Verlängerung verloren hatten, konnten wir dennoch als moralische Gewinner am nächsten Tag Richtung Süden fahren. Entgegen allen Unkenrufen gab es auf der gesamten Fahrt keine technischen Probleme. Derzeit arbeiten wir weiter daran, den Wagen weiter aufzubauen, damit wir Südländer möglichst  noch lange Spaß an ihm haben werden. So ist beispielsweise nach knapp vier Jahren die Folierung nicht mehr so gut, dass sich Feuchtigkeit darunter sammeln kann, die zu Rostbildung führt.

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